Vor einigen Tagen erreichte uns der folgende Bericht eines jungen Mannes, der in Wien an die ICOC “geraten” ist. Wir stellen diesen Beitrag ungekürzt ins Netz. Lediglich die Namen wurden verändert.

Webmaster, 25.6.2002

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Bericht aus Wien

1. Kurzerklärung von nicht allgemeinverständlichen Wörtern

2. Erlebnisbericht

3. Überrascht!

4. Was ich im Bibelstudium erlebte

5. No ... please!

6. Was ich nicht selber weiß oder wieso ich nicht direkt mit den Menschen der ICOC über die Aussteigerberichte redete

7. Gelernt

8. Wobei ich mich im nachhinein schwertue:

9. Was ich mir sehr gut vorstellen kann, was hinter meinem Rücken geschah

10. Vokabeln und Floskeln der ICOC

11. Das Letzte

 

1. Kurzerklärungen:

ICOC = International Churches of Christ

IGC = Internationale Gemeinden Christi (das gleiche wie ICOC

Kip Mc Kean = Gründer und Weltevangelist der ICOC (Anführer)

Jüngerschaftspartner = Bezugsfigur, der man Sünden bekennt, Rechenschaft ablegt und von der man Anleitung zum täglichen Leben bekommt.

HOPE (Help Other People Everywhere) = Von der ICOC offiziell unabhängige Organisation, die unter dem Deckmantel von Kinder- und Armenhilfsprojekten dazu verwendet wird, für die ICOC zu missionieren. Fast nur ICOC-Mitglieder sind für HOPE tätig.

Hauskreis: wöchentliches Treffen zum gemeinsamen Austausch über ein Thema oder Bibelverse

Freikirchen: christliche Gemeinschaften, die in Österreich als „religiöse Bekenntnisgemeinschaft„ anerkennt wurden und ihr Glaubensleben nach der Bibel richten.

Alphakurs: (Grundkurs, wo nach einem Abendessen ein Videovortrag ausgestrahlt wird und anschließend in Gesprächsrunden über die Grundthemen des Glaubens diskutiert wird)

2. Nun zu meinem Erlebnisbericht:

Ich bin im März 2001 in Wien in der Rothenturmstraße von einem Deutschen namens Fabian angesprochen worden, ob ich zu einem Gottesdienst komme. Er hat mich gefragt, was ich als Christ TUE, ob ich Leute anspreche, etc. Ich habe geantwortet, ich sei doch nicht blöd, mich wie die Zeugen Jehovas auf die Straße zu stellen... Er antwortete freundlich, daß es wichtig sei Leute in den Gottesdienst einzuladen, wie kämen sie sonst dorthin? Ich stimmte ihm zu. Ich versprach zu einem Gottesdienst zu kommen, weil es mich sehr interessierte, eine lebendige Gemeinde kennen zu lernen.

Das erste Mal als ich in den Gottesdienst kam, wurde bereits gepredigt. Mir fielen sofort die Zwischenrufe der Gemeindemitglieder auf. Jeder, der vor einem Publikum redet, würde sich durch Zwischenrufe gefrotzelt fühlen. Zum Schluß sangen sie Gemeindemitglieder und hielten dabei ihre Hände, manche umarmten einander. Die Lieder waren sehr traditionell, was für eine junge Gemeinde sehr ungewöhnlich ist. Das letzte Lied war: „Wir ziehen durch die Straßen und trotzen Tod & Teufel.„. Das Lied kam mir dumm und theatralisch vor. Gleich nachdem der Gottesdienst beendet war, kam Dieter zu mir und hieß mich willkommen und fragte mich, wer mich eingeladen hätte. Es ist in der ICOC nicht ungewöhnlich, freundlich begrüßt zu werden. Dieter wollte wissen, von wem ich die Einladung bekommen hätte . Die erste Kontrolle: Sie wollten einen Namen hören, z.B. Fabian. Er wurde sofort herbeigeholt und er erinnerte sich an mich und wir hielten einen Smalltalk und ich wurde Ulrich (zu dem ich den stärksten Kontakt hatte) vorgestellt. Wir gingen zum Tisch mit den Getränken und Knabbereien und am Ende des Nachmittags wurde ich zu einem Spieleabend am Freitag eingeladen. Die Menschen dieser Gemeinde sind sehr nett, dachte ich. Ich nahm zu dem Freitag eine Bekannte mit. Wir trafen uns im Spiele Caffee in der Sperlgasse. Beim Gehen tauschten wir die E-Mail-Adresse aus. Meine Begleiterin wurde auch um ihre Nummer gebeten, die sie nicht hergab. Sie erzählte mir danach, daß das Mädchen sie „angeschleimt„ habe. Ich wurde über ein Monat zu wöchentlichen Freitags-Treffs oder Partys eingeladen, z.B. machten wir an einem Samstag ein Volleyballturnier im Budocenter. Die Zusammenkünfte waren sehr gut organisiert und geschmackvoll. Man konnte sich nett und niveauvoll unterhalten und lernte freundliche Leute kennen.

Ulrich, der sich um eine Freundschaft bemühte, ging mit mir am Wochenende laufen, und fragte mich sehr viel. Ich erzählte ihm viel über meinen Glauben. Ich kam durch Gespräche sehr bald darauf, was für ein starkes Jüngerschaftsbild die Gemeindemitglieder hatten. Anfangs folgerte ich: der Begriff Jünger, mit denen sie sich ständig bezeichneten, war eine Rückbesinnung auf die Wurzeln der Urkirche. Dem war nicht so, später erfuhr ich auf www.reli.org wie sehr der Jüngerschaftsbegriff in ihrer Ideologie verankert ist. Auf den Veranstaltungen hatte ich ständig Kontakt mit denselben Menschen (Ulrich aus Steiermark, Volker aus Wien, Dieter, Volker S. aus Deutschland, der die Berufstätigen-Gruppe leitet). Ulrich redete viel mit mir und Dieter stand als aktiver Zuhörer daneben.

An einem Freitag Abend schlug Volker S. vor, der mir sehr sympathisch war, der auch Predigen hielt, gemeinsam die Bibel zu studieren. Zuerst lehnte ich ab, weil ich wöchentlich in einen Hauskreis meiner Gemeinde gehe und für ca. 3 Jahre einen Bibelkreis besucht hatte. Volker meinte, ich könnte davon profitieren und ich willigte nach kurzem Überlegen ein, interessierte es mich mit Christen einer anderen Gemeinde eine kleine Bibelrunde zu veranstalten. Ich wollte mich über das Reich Gottes austauschen. Aber es wurde mir verwehrt aus dem Grund, daß es etwas zu schwer sei – ich bin nicht der Typ, der gerne dagegenredet und streitet, also gab ich nach und ließ das Thema offen – wie ich meinte.

Als ich zum Bibelkreis kam, Ulrich und Volker waren da, sagte Volker mir wir wollen über Jesus Christus reden, wer Jesus ist und Bibelstellen über seine Person studieren. Ich war schlichtweg enttäuscht von der Wahl des Themas, weil es nicht anspruchsvoll genug war. Wie, wenn man in einer Hauptschule das 1x1 wiederholt. Was denkt der eigentlich von mir? Über Jesus weiß ich bescheid, ich habe mit Ulrich geredet, der sollte etwas ihm gesagt haben, mich beschlich das Gefühl des Unverstandenseins. Wir begannen sozusagen bei null. Gemeinsam lasen wir die Bibelstellen, ich erzählte immer als erster (was mir nie auffiel) und stimmte ihnen zu, wo sie mich ergänzten. Ulrich schrieb mit, die ersten Bibelkreise führte Volkererst später redete ich mit Ulrich, Markus schrieb mit.

Generell dachte ich nicht viel dabei, wieso wir nur zu dritt beim Bibelstudium zusammensaßen. Ich betonte beim Abschiedsgebet jedesmal, daß ich mich freue, daß zwei Christen dieser Gemeinde mit mir die Bibel studierten und mir halfen Gottes Willen besser zu verstehen, aber einen Verdacht oder ein Mißtrauen regte sich nicht bei mir, weil das Verhältnis 2 zu 1 bestand, war das Bibelstudium als gemeinsames Projekt angefangen worden, erst nach einigen Bibelstudien wurde mir mehr und mehr bewußt, daß ich wenig Kontrolle über das Thema hatte. Weil ich anfangs nie sprachlos war, hielt ich es nicht für wichtig. Sie sagten, die Willen Gottes zu fragen, sei sehr wichtig. „schließlich werden wir mit Gottes Richtschnur gemessen, deswegen sollen wir Gottes Willen erforschen„ und sie TATEN auch, was sie sagten. Ich hatte häufig ein schlechtes Gefühl, wenn ich zum Bibelkreis ging. Es war sehr komisch. Diese verbohrte Bestimmtheit, mit der sie ihre Versauslegungen vortrugen hing damit zusammen.

Willi P., der im Juni/Juli die Runden-Leitung übernahm, las den Vers vor, wartete meine Reaktion ab, korrigierte meine Sicht, wir diskutierten darüber, er las nochmals den Vers vor, erzählte die „richtige„ Sicht und wir redeten so lange über die Verse bis mir die Munition ausging. Meine Erläuterungen gingen NIE in die Mitschrift ein. Sie wollten einmal, daß ich eine Sündenliste – nur für mich (?) – aufschrieb. Ich bekam nach jedem Bibelkreis den Zettel zum „Selbststudium„ ausgehändigt –mit einer einzigen Ausnahme, als Ulrich sehr verkühlt war und ich es eilig hatte die Straßenbahn zu erwischen. Ich wollte ihn sowieso nicht.

Einmal kam Ulrich und Boris (Anfang 2001 getauft) in meine Wohnung. Wir sprachen über das Kreuz. Ulrich laß einen ellenlangen medizinischen Bericht über den Verlauf einer Kreuzigung durch. Das ging mir sehr nahe. Am Ende fragte mich Ulrich dreimal, nachdem er mir sagte, was ich in etwa antworten solle: „Martin, warum hat Jesus das getan/erlitten?" – „Weil Jesus mich liebt.„ Es war fast wie in der Liturgie. In dem Moment hätte ich am liebsten vor ihm erbrochen, nur um ihm den Gefallen zu tun, meinen inneren Zustand zu sehen, meine Verwirrtheit, oder ob ich aufstehen soll und ihm fragen, ob er das witzig findet, mit einem mehrseitigen Bericht aufzukreuzen und gezielt meine Psyche zu belasten oder ob ich sagen soll, ich halte es nicht mehr aus, ich bin müde und er solle jetzt gehen. Als Boris gegangen ist, habe ich Ulrich noch ein modernes Anbetungslied vorgespielt. Ich weiß nicht was ihn Ulrich vorgegangen ist. Mir haben die fünf Minuten dieses Abends am besten gefallen...

Das war August und ich war bereits „voll informiert„. Ich kam im Juli darauf, als ich auf die Homepage www,icoc.de stieß. „Aha„ dachte ich mir „jetzt ist mir alles klar„. Es war Urlaubszeit und Ulrich und ich sahen uns erst Mitte August wieder. Ich habe mir so ziemlich alles was ich finden konnte ausgedruckt (ca. 80 Seiten auf deutsch und von rightcyberup.org und exicoc.org zusätzliche Informationen). Ich mußte feststellen, daß vieles mit dem übereinstimmte, was ich bis jetzt erfahren hatte. Mein Bibelstudium stimmte zu etwa 80 % damit überein. Die Reihenfolge der Themen war anders.

Vieles, was sich im Hintergrund tat, entzog sich meinem Erfahrungshorizont (z.B. Dienstag-„Andachten„, Discipling, die internen Bezeichnung „Jüngerschaftspartner„, „Dating„, Heiratskontrolle durch Jüngerschaftspartner, Telefonlisten, Weiterleitung der Sündenlisten an die Leiter, Telefonkontrolle durch Mitglieder (Handy – ein Fluch für die ICOC-Jünger?), Zusatzspenden von einem mehrfachen der wöchentlichen 10%-Abgabe vom Einkommen, wovon die Steuern noch nicht abgezogen wurden). Zweimal machte ich beim „Einladen„ (in Gottesdienste, zu Veranstaltungen) mit. Einmal beim Westbahnhof/Mariahilferstraße und einmal am Stephansdom/Graben. Ulrich sagte mir beim ersten Mal, wir sollen nur Männer einladen, also keine Frauen ansprechen. Geschlechtertrennung per Excellanze. In meiner Gemeinde hatten wir zu dieser Zeit einen Alpha-Kurs laufen. Ich habe ein kleines Heftchen mitgehabt, um es weiterzugeben. Ulrich reagierte sehr negativ darauf, sagte aber kein Wort. Seine Gestik sprach Bände. Er wollte nur wissen, was das genau sei. Mit Willi bin ich am Graben einladen gegangen. Er ging mit großer Sicherheit und Direktheit auf die Menschen zu. Willi hat wohl ein sehr gutes Gefühl, wie lange er mit den Leuten reden sollte.

Ulrich lud mich zum Europatreffen der ICOC in Paris ein, was ich ablehnte. Ulrich gab mir im Juli ein Arbeitsbuch (ca. 40 Seiten), das die ICOC selbst herausbrachte. Es hieß „30 Tage vor dem Kreuz„. Ulrich hat es bei seiner Taufe von Fabian geschenkt bekommen. 30 LeiterInnen der ICOC schrieben für die JüngerInnen Impulse zur Selbstaufgabe, Liebe, Treue, Disziplin, Charakter, Demut, Unterordnung, Freundschaft, Zeit für andere, Evangelisation (=Missionierung), usw. Es waren viele Bibelstellen zum Weiterstudium vorhanden. Ich habe mir viele Bibelverse und Stichwörter herausgeschrieben. Ulrichs Erwartungen wurden hinsichtlich einer „Umkehr„ enttäuscht. Ich gab ihm das Buch nach mehreren Wochen zurück.

Ich sprach mit meinem Pastor über meine Treffen. Er meinte ich solle den Kontakt abbrechen, ich erzählte einigen Personen davon, und es stimmte ja: ich spielte mit dem Feuer. Auf die Art: „Seht her! Es verbrennt mich nicht. Ich bin schlauer (oder dumm) genug.„ Ich schrieb Ulrichs Eltern einen Brief, worauf seine Mutter mich anrief. Sie erzählte, daß Ulrich vor einigen Jahren in die Gemeinde kam. Es fiel mir auf, daß mehr die Menschen für die ICOC empfänglicher waren, die nicht aus Wien kamen, also keinen festen Freundeskreis hatten. Ulrichs Eltern hatten sich über die Gemeinde informiert und auch öfters versucht mit Ulrich vernünftig zu reden. Er stellte die Gemeinschaft so dar, als stünde kein knechtender Zwang dahinter. Sie erzählte mir, er habe sich auch zum Guten gewendet. Er wäre gepflegter, früher war er manchmal mißmutig. Er hat verschiedene Freundinnen gehabt, geraucht und leichte Drogen genommen (das hat mir Ulrich gesagt!). Daß er sich einer so extremen Gruppe angeschlossen hat, beunruhige sie verständlicherweise.

Im September ging ich zu einem Vortrag über Sekten und Kulte, der von Herrn Dipl.-Ing. Griess gehalten wurde, dessen Tochter bei den „Norwegern„ ist. Er sagte, das Sektenproblem in Österreich und anderen Ländern werde maßlos unterschätzt. Von Seiten der Kirchen wird es oft als ein rein theologisches Problem verkannt. Es ist aber mehr ein psychisch-soziales Problem. Da Jugendliche und junge Erwachsene vermehrt geködert werden, muß in diesem Bereich viel Aufklärung gemacht werden.

Ich ging weiterhin in die Gottesdienste am Nachmittag, aber seltener. Wie Ulrich sich über mein Erscheinen freute, war ihm das sehr wichtig. Er hat mir in einer Woche dreimal am Anrufbeantworter gesprochen. „Kommst Du wirklich zum Gottesdienst?„ „Wie schaut es aus? Wann hast Du Zeit etwas zu unternehmen?„ Er rief immer mit einer Stimme an, als würde die Welt zusammenbrechen, wenn ich nicht käme.

Ich hatte ein extrem schwankendes Verhältnis zu den Menschen in der ICOC. Einerseits sah ich eine tolle Gemeinschaft, andererseits fühlte ich mich dieser Gemeinschaft entfremdet und es ekelt mich vor dieser Freundlichkeit, habe ich so viel über die innerliche Gefangenschaft, Fremdkontrolle, usw. gelesen und teilweise selbst erfahren. Als ich jemanden nach dem Gottesdienst ein Video geben wollte und in der Menge nicht gefunden habe, wollte ich sofort weg, bevor mich Ulrich anspricht. Er hat mich gesehen, aber weil er jemanden in ein Gespräch verwickelt hatte, konnte er mit mir nicht sprechen. Ich konnte nicht sofort gehen. Einige Mitglieder hielten mit mir kurze Gespräche. Nach fünf Minuten war ich dann draußen.

In den Sommermonaten war es sehr seltsam: Mir sind einige Male Frauen von der Gemeinde begegnet, in der U-Bahn unter der Woche oder am Samstag, wenn sie zum „Dating„ gefahren sind oder am Weg zum Gottesdienst. Im Wilhelminenspital hat Patricia, eine Medizinstudentin und Volker S. Freundin, ein Praktikum gemacht und einer Kinderbetreuerin bin ich begegnet. Ich schrieb Willi einige E-Mails mit Fragen zu Bibelstellen, die in der IGC Wien nicht umgesetzt wurden. Er hielt sich sehr kurz und schlug vor persönlich miteinander zu reden.

Ein ehemaliger Student aus Südtirol traf sich mit mir, um uns gemeinsam über die Erfahrungen auszutauschen. Er erzählte mir, wie er das Monat nach der Taufe erlebt hatte, bis er ausgestiegen ist. Er sagte, die Weihnachtsfeiern in der ICOC sind sehr schön. Ehrlich, ich wäre gerne bei einer dabeigewesen, nur kam ich nicht so weit. Der Oktober verging und meine Treffen und Gottesdienste wurden seltener. Wenn sich der Herbst mit seinen halben Tagen ins Land schleicht, habe ich nicht viel Kraft für unnütze Diskussionen über die Bibel. Walter, der etwas ausgeflippt und mit einer lauten Stimme ausgestattet ist, hat mir ein paar Jüngerweisheiten mitgeteilt und ist mir sehr nah gekommen, sodaß ich mich unwillkürlich gegen den Pfeiler gestützt habe. Manchmal weiß ich, da kommt wieder was, aber daß er mir so auf die Pelle rückt.

Ein australischer Abend fand in der Wohngemeinschaft Höglmüllergasse statt. Alle waren fröhlich wie immer und es war gesteckt voll. Wir haben ein Didgeridoowettblasen gemacht, an Fragen zu Australien herumgerätselt, .australisches Essen genossen. Ich wurde nicht mehr von Ulrich und den anderen „betreut„. Barbara hat mit mir ein längeres Gespräch geführt. Sie hat schwarze, in Strähnen geschnitte Haare, die ihr bis zur Schulter gehen. Sie kommt aus Niederösterreich und hat – was bei den JüngerInnen selten ist – ein gutes Verhältnis zu ihrer Verwandtschaft. Ulrich machte ihr ein paar Komplimente sogar, wenn alle zuhörten, was für die Gruppe sehr ungewöhnlich ist. Männer und Frauen gehen miteinander sehr geschwisterlich um. Bis auf harmlose Wangenküsse passiert nichts. Wer weiß, was sich zwischen den beiden ergeben wird?

Eines Freitag Nachmittags im Oktober traf ich mich mit Ulrich zu einem Bibelstudium das wohl letzte bei der IGC, nebenbei sprachen wir über Geld. Er ließ anklingen, das er versuchte sich etwas auf die Seite zu legen. Er meinte kleine Beträge, obwohl er ein gutes Einkommen hatte – ein klarer Hinweis, daß er viel Geld ausgab – wer andere Berichte liest, kann sich denken wofür. Ulrich fing an die Bibel auszupacken und ein Büchlein, den Bibelstudienleitfaden. Sollte ich ihn bitten, mich darin lesen zu lassen? Wie würde er reagieren? Ich fragte ihn nicht. Ulrich legte ein weißes A4-Blatt auf den Tisch und teilte den Bogen mit einen Strich in zwei Hälften „gerettet/nicht gerettet„. „Aha, jetzt wird es eng„, dachte ich.

Ulrich schrieb nach einem fixen Schema ein paar Worte auf den Bogen. Wir gingen wie gewohnt Bibelverse durch. Diesmal über die Taufe, ein Streitpunkt, der quer durch die Konfessionen geht. Ich hatte im Sommer ein Buch zum Taufverständnis gelesen – keine leichte Kost. Ulrich fragte mich anschließend nach meinem Glauben wie man Christ wird. Dieses eine Mal schrieb er auch meine Ansicht auf. Es schien mir, daß Ulrich eine andere Distanz zu mir eingenommen hatte. Er hörte mir aufmerksamer zu als sonst. Er verstrickte mich in Widersprüche, die mich aus dem Konzept brachten. Er war viel besser vorbereitet als ich. Schlußendlich handelte ich aus einer unchristlichen Haltung heraus. Ich begann zu streiten. Ich sagte ihm direkt, daß ihm das nötige Verständnis für die Taufe fehlte, aus welchen Hintergründen sie damals praktiziert wurde. Ich stieß auf Widerstand, Willi, der ihm in diesem Bereich viel gelehrt hatte, konnte nicht im Unrecht sein. Ich sagte ihm, es sei egal wer das gesagt habe. Falsch sei es auf jeden Fall!

Ulrich wollte nicht streiten. Wir trennten uns vor der U-Bahnstation Ottakring. Tja, manchmal ist es gar nicht einfach mit dem gepflegten Worttausch. Wir riefen uns nicht wieder an, noch schickten wir E-Mails. Ob das mein Ende bei der ICOC ist, nein das kommt noch. Am zweiten Adventsonntag besuchte ich mit meinem Mitbewohner die Gemeinde der ICOC das letzte Mal. Wir setzten uns kurz nach dem „Abendmahl„ in den vollen Raum, alle Mitglieder schön geschniegelt und artig gespannt lauschend auf den Holzsesseln. Zwischenrufe: „Predige!“, „Amen“, „Weiter Willi“, „Tolle Predigt“. Als der Gottesdienst vorbei war, plauderte ich mit jemandem, der seit August in die Gemeinde ging. Er war voll von der Liebe der Kip-Jünger. Auf meine Frage, ob er sich für die Gemeinde hier entschieden habe, bejahte er geradewegs. Er hat sich Anfang 2002 mit einer Frau taufen lassen, wie ich von einem Dauergast der ICOC am Telefon erfahren habe. Mit Ulrich wechselte ich ein paar Worte, wir sahen uns kaum an.

Ich sprach viel mit Willi, der mir bei seiner Predigt etwas schwach vorgekommen ist. Bei seiner Rede von den Sünden, die wir bekennen sollten, war seine Gestik verhalten. Im Unterschied dazu stand er voll hinter dem, was ein Jünger tun solle: Vom Evangelium reden („Einladen gehen„).

An diesem Sonntag habe ich gemerkt wie arm und kaputt die Leute werden können. Jammerschade für diese Leute (die meisten zwischen 20 und 30). Willi redete mit mir, nachdem ich mich von einem Jünger abgeseilt hatte, der mit jedem zweiten Satz auf die Bibel zu sprechen kam, von dem ich im Juni einen guten Eindruck hatte, als er davon erzählte für die Organisation „HOPE„ arbeiten zu wollen. Im Dezember dachte ich mir, er brauche neue Gehirnwindungen. Willi sprach mich auf ein Ereignis vom August an. Im Sommer hatte ich Maria, die als Verkäuferin arbeitete, besucht, um ihr kritisches Informationsmaterial zu geben Es war mir mehr als unangenehm. Wer weiß wie sie darauf reagierte? Ihre Stimmung wechselte rasch, als ich über den Grund meines Kommens erzählte. Ich bin dort erst draufgekommen, daß sie schon seit zwei Jahren getauft worden war und mit 2001 mit ihrer Volljährigkeit in eine Wohngemeinschaft gegangen ist. Sie wurde ganz leise und stritt alles ab. Glaubt die wirklich, was sie mir da erzählt. „Ich hab‘ alles geprüft...„ Ein Stein ließ sich leichter bewegen als sie. Dieses Ereignis dachte ich, wäre im August mein letzte Möglichkeit gewesen, jemanden „aufzuklären„. Falsch gedacht.

Bei einem Kürbisfest Ende September habe ich mit einem Gast, einer Medizinstudentin, mich eine Woche darauf getroffen. Ich erzählte ihr so viel von der ICOC, daß sie glaubte ich sei selbst drinnen. Am Abend bekam ich einen Anruf von ihrer Tante, die mich über das Handy mit dem Gericht bedrohte, falls ich noch einmal zu ihrer Enkelin Kontakt aufnehme. In den Monaten war es sehr schwer für mich andere im Gottesdienst etwas kritisches mitzuteilen, weil ich in der Gemeinschaft nicht jeden kannte. Außerdem ist die Stimmung aufgeheizt und wollen auf Teufel komm raus ein Gespräch führen, daß sich selten die Gelegenheit zu einem Vieraugengespräch mit einem neuen Besucher ergibt.

Ab und zu treffe ich mich mit einem aus der ICOC aus Wien, der sich im 8. Bezirk (Korotanheim) unregelmäßig blicken läßt. Er läßt sich nicht reinziehen und seine „Freunde„ gingen mit ihm zum x-ten Mal die gleichen Bibelstellen mit ihm durch, in der Hoffnung ihn doch zu überzeugen. Nach anderthalb Jahren (seit Mitte 2000) ist er ohne Taufe länger dabei, als manche Mitglieder.

Willi fragte mich, wieso ich noch da bin, wenn ich mit kritischem Material gerade zu ihr gegangen bin. Ich sei so glatt wie ein Aal. Ich antwortete, es wäre passender sie zu konfrontieren als ihn. „Beim nächsten Mal kommst du zu mir, damit wir uns damit auseinandersetzen können“. Willi, war das Gespräch sehr unangenehm, sah er immer an mir vorbei. Ich hatte sogar Mitleid mit ihm, für solche Gespräche hatte er wohl keine Schulung bekommen.

Ich fragte ihm, ob McKean an der Spitze der Hierarchie sei. Er beschwichtigte die Führerfunktion von KipMcKean. Sie sei gleichwertig mit der anderer Leiter. Ich bin sozusagen „probeweise„ den Sprungturm zur ICOC hinaufgeklettert, um zu entdecken, daß die Normen und die Gemeinschaft einengt. Ach, bevor ich es vergesse: Meine Sündenliste. Auch ich wurde gebeten eine zu erstellen. Nur: niemand hat mich je danach gefragt. Wieso auch? Jesus hat sie auf Golgatha zerrissen.

3.Ein Erlebnis, was mich an der IGC Wien sehr überraschte:

Einmal behauptete ich, daß sie bis auf die Organisation Hope nichts karitatives machen, weil Jesus davon sprach, daß Besuche bei Witwen, Weisen und Kranken auch zum Bau des Reich Gottes beitrugen. Er sagte, ich sei nicht sehr demütig, daß ich das sagte, und überraschte mich mit der Tatsache, daß die Mitglieder regelmäßig Besuchsdienst machten. Einmal ging ich mit Ulrich in einem Pflegeheim bettlägerige Menschen besuchen. Er leistete wöchentlich Besuchsdienst, meistens bevor er zum Gottesdienst ins Korotanheim im 8. Bezirk fuhr und sprach zu Patienten, mit denen er sich bemühte zu reden und ein schwaches Gestammel zurückbekam. Wenn das Mittagessen noch nicht serviert wurde, half er den Pflegern beim Verabreichen der Mahlzeit. Beeindruckend!

4. Genaueres über das Bibelstudium:

Im Laufe der Bibelstudien wurden mir „Kontrollfragen„ gestellt. Durch stereotype Widerholung einfacher Floskeln wurde mir das Gedankengut klarer. Sie verdrehten solche typischen Sätzen zu Fragen und prüften, ob sich bei mir der Stoff verankert hatte. Wenn ich nicht so antwortete wie sie wollten, lasen sie mit mir die Bibelstelle, sagten was die Bibelstellen zu sagen hatte, stellten mir eine Frage, die von ihrer Logik her so aufgebaut war: Wenn Jesus sagt: „Gehet hin zu allen Völkern und ...„. „Also Martin, wenn du ein Jünger bist, was möchte Jesus von dir?„ Wenn ich ihre Lösung nicht sagen wollte, wiederholten wir das ganze. Ich wurde gefragt, warum ich manches nicht verstehe, was mir nicht klar sei, als gäbe es ein mathematisches Gesetz, daß ich nicht verstehen könne. Gab es keine Gründe (Erklärungsnotstand), wäre es mein Herz, daß verhärtet wäre? Es wurde mir versucht, ein schlechtes Gewissen zu machen, daß ich nur durch Beseitigung meiner Meinung erleichtern konnte. Von Seiten der Kip-Jünger wurde nicht einmal die leiseste Selbstkritik über ihre Lehrmeinung geäußert. Sie verstanden mich zwar, aber nur deshalb, weil sie selbst „nicht ganz verstanden hatten„ (oder im späteren Verlauf, wenn es ans „Eingemachte„ ging: „sie selbst einmal ein hartes Herz hatten„.

Manchmal war es eine Qual (und ich dachte damals, daß wäre ein Teil des Willens Gottes – so ein Stumpfsinn). Ich mußte mich davon abschotten, solche Runden machen depressiv. Willi fragte mich sogar, was ich hatte, weil ich verspannt da saß. Volker erklärte im Kapitel über Jüngerschaft: Wie die Kuchenteile einer Torte nur in Summe eine Torte ergeben, ergibt sich Jüngerschaft auf allen Bedingungen Jesu: „Wer mein Jünger sein will, der ...„ Wir diskutierten darüber sehr lange und ich nahm ihre Meinung nicht ganz zur Kenntnis, manche gar nicht – oft sogar nur deshalb, weil ich vieles anders bewertete als sie es taten.

Im Endeffekt drehte sich jedes Bibelstudium – direkt oder indirekt - um den Begriff Jünger. Die Erklärung des Begriffes Jünger in allen Facetten und als zweiten Punkt der Missionsauftrag Jesu: „Gehet hin in alle Welt, machet zu Jüngern alle Völker, tauft sie und lehrt sie hallten alles was ich euch aufgetragen habe. Weil der Auftrag, die Reihenfolge so wichtig genommen wird, muß man sich entscheiden Jünger zu werden, und anschließend aufwachen und die Realität erkennen. Obwohl Jüngerschaft laut Bibelstudiumplan auf reli.org erst nach der Taufe käme, stand das Kapitel bei mir schon viel früher auf dem Programm.

Über den allseits bekannten Missionsbefehl Jesu: Mt 28,19-20 Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker. Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und sie halten lehret alles, was ich euch befohlen habe. Über diesen Satz brüteten wir einen ganzen Abend lang. Warum? Damit ich ihn auch wirklich ganz genau so (falsch) verstand wie sie. Nämlich ZUERST Jünger machen (Bibelstudium), DANACH taufen und den Rest der ICOC-Lehren eintrichtern. Verstünden sie den Text so: Mt 28,19-20 Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker, indem ihr sie taufet auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und sie halten lehret alles, was ich euch befohlen habe - könnten sie Menschen, die Jünger werden möchten, nicht die Taufe verwehren. Ihr komplettes Jüngerschaftsverständnis wäre womöglich dahin.

Mit der Zeit diskutierten wir mehr, wir waren häufiger uneins, aber das nutzt in der ICOC bekanntlich nichts, eine feste Meinung zu haben. Verse gab es in der Bibel genug, das strukturierte Bibelstudienprogramm der ICOC lief daraus aus, aus folgerichtigen Schlüssen unbiblische Meinungen zu formen. Mir fiel schon in den ersten Bibelstudien auf, daß kaum Absätze vorgelesen wurden, sondern sehr oft einzelne Verse. Was der Bibeltext aussagt, ist für die Leiterschaft der ICOC letztendlich egal. Hauptsache sie kann den Text für ihre Ideologie mißbrauchen. Als ich den Bibelstudienleitfaden von www.reli.org heruntergeladen hatte, war mir klar, daß die Jünger der ICOC einen weltweit profilierten Leitfaden in Händen hielten, um sie in ihre Ideologie schrittweise einzuführen („Jünger zu machen„).)

Wie Jesus SEIN ist der Weg zu Gott (Ich will in allen Bereichen meines Lebens lernen zu leben, wie Jesus gelebt hat (z.B. Gebet, Nächstenliebe, als Menschenfischer leben, etc.)" Im Gegensatz zur allgemein christlichen Lehre: Jesus ist der Weg zu Gott. Der Unterschied besteht darin, daß die Göttlichkeit Jesu nicht nachgeeifert werden kann. duchan hera

"Jesus ist für meine Sünde gestorben. Ich werde meine Sünde hassen und Jesus hingegeben sein". Wenn das stimmt wäre Jesus nicht für meine Sünde gestorben. Ich muß es durch Werke der Umkehr wiedergutmachen. Ein entscheidender Schritt, weil die Umkehr, wie sie die ICOC meint, sich nicht mit Dankbarkeitshandlungen begnügt. Die Handlungen werden zur Meßlatte der Umkehr gemacht und die Umkehr muß „echt„ sein – also ständiges Wiedergutmachen des Todes Christi. In der Bibel steht aber klipp und klar, daß wir den Kreuzestod nicht wiedergutmachen können. Hätte die ICOC recht, wäre Jesus umsonst gestorben.

Gnade? Das Wort Gnade kommt in der „Theologie„ der IGC kaum vor. Praktisch für die Aufzucht und Haltung neuer Jünger. Die einzige schnelle Gnade ist die Zuwendung der Gemeindemitlgieder. Wenn ich meine Sünden erkenne und es mir leid tut, muß ich den Kreuzestod „wiedergutmachen„. Psychischer Wiedergutmachungsstreß.

Mein Verhalten ist viel wichtiger als mein Glaube. Deswegen entwickelt sich die Persönlichkeit der Menschen in der ICOC nur in eine vorausbestimmte Richtung, weil ihr Verhalten kontrolliert und bewertet wird. Handlungen und Denken müssen kontrolliert und bewertet werden, damit das Verhalten sich nach der ICOC-Ideologie ausrichten kann. Nach außen sichtbares Christsein ist für die ICOC lebensnotwendig: "Leben, nicht reden: Umkehr bedeutet 'rechtschaffene Werke', d.h. sie ist etwas Positives. Umkehr ist immer klar erkennbar, man kann sie sehen. In welchen Lebensbereichen erwartet Gott von Dir die Umkehr, die anderen auffallen wird?"

Die Kapitel und die Aussagen der ICOC gegenüber dem Neuling:

- Gott suchen: Du hast noch keinen Lebenssinn gefunden

- Jesus: Du zeigst zu wenig Einsatz

- Das Wort: Du bist unwissend über die Bibel

- Sünde: Du bist ein schlimmer Sünder

- Das Kreuz: Du bist schuld an Jesu Tod

- Umkehr/Taufe: Du fährst zur Hölle

Der Interessent wird so quasi an der Hand genommen und Stufe für Stufe die Treppe in die Hölle hinab geführt.

5. No ... please!:

Die JüngerInnen mögen keine Witze mit erotischem Inhalt. Auch keine Witze, der sich über christliche Inhalte lustig macht bzw. ironisch oder satirisch gemeint ist. Selbst harmlose Witze darüber sind stoßen allen auf.

6. Über das, was ich nicht selber weiß oder wieso ich nicht direkt mit den Menschen der ICOC über die Aussteigerberichte redete

Daß anderslautende Meinungen nicht akzeptiert werden, wurde mir durch die Aussteigerberichte klar. Es bringt nichts, weil dieser Weg zum Scheitern verurteilt ist. Ich habe in Gegenwart der ICOC-Mitglieder kaum direkte Kritik geübt. Es ist eine Tatsache, daß Kritik an der Lehre und Leiterschaft eine Herausforderung zu einem Konflikt gleichkommt und ich Mitglieder gegen mich aufbringe. Ich habe erfahren, am einfachsten ist es Bedenken und Zweifel an der ICOC anklingen zu lassen, die das Mitglied selbst gehabt hat. Es mußte es überwinden und stellt für ihn anfangs keine Gefahr mehr da – wenn man darüber redet und seine Gedanken einfließen läßt, kann das mehr bringen als ein Konfrontationskurs. Die eigen Zweifel sind doch immer die stärksten und den inneren Druck hält man schwerer Stand als Druck von außen, auf den man mit Gegendruck reagiert.

7. Gelernt:

Ich habe gelernt, daß man die Glaubensfreiheit der Menschen respektieren soll. Mir war nicht wohl dabei, als mir die „Jünger„ mir mit ihren Lehren zuleiberücken wollten. (aufbinden, vollpumpen, reinstopfen, suggerieren, trimmen, justieren). Ich bin damals von diesen Vokabeln und Floskeln vollgepumpt worden. Wer sich dagegen abschottet, wird langsam „eingenommen.“ Die Leute, die nicht diese „Ausstrahlung„ haben sind meistens die „Neuen„, die viel innere Konflikte haben, vielleicht gerne dazugehören würden, aber diese „Trennung„ spüren. Ich sollte manchmal mehr auf meinen Bauch als auf meinen Kopf hören (emotionale Intelligenz).

8. Wobei ich mich im nachhinein schwertue:

Einen positiven Begriff für das Wort „Jünger„ zu bekommen.

Die Floskel: „Wir sollten es genauso ernst nehmen„

Die Wörter: „Umkehr„, „Was hat Gott getan – Wie reagierst Du darauf?„

9. Was ich mir sehr gut vorstellen kann, was hinter meinem Rücken geschah:

Ulrich und seine Freunde haben miteinander über mich gesprochen, wie es am besten wäre mich einsichtig zu machen, wie Ulrich sich besser als mein Freund erweisen konnte. Ulrich kontaktierte mich sehr oft. Alle, die sich als introvertiert hielten, als sie in die Gemeinde kamen, wurden darauf trainiert, extrovertiert und offen zu werden.

10. Vokabeln und Floskeln der ICOC:

„Gott will, daß...„ = „Die ICOC (bzw. Kip McKean„ will, daß...„

„Reich Gottes„ = ICOC

„Einladen„ = Leute rekrutieren

„Leben und Lehre soll eine Einheit sein„ = ICOC-Jünger haben alle das gleiche Lebensmodell.

„Motivation„ = Gruppendruck

„Willst Du ein Jünger werden?„ = „Wir von der ICOC sehen, daß Du nicht ein Mitglied von uns bist. Möchtest Du unsere Lehre und Lebensweise akzeptieren?„

„Nur ein Jünger kann andere zu Jünger machen„: „Nur wer die Lehre der ICOC akzeptiert hat, darf in der ICOC mit anderen das Bibelstudium durchführen„

„Bist Du betroffen, daß Du Jesus mit Deinen Sünden an das Kreuz genagelt hast?„: Hast Du schon ein schlechtes Gewissen, damit Du bereit bist für deine „Umkehr„?

„Als Jünger sollen wir wie Jesus leben„: „Du sollst Kip Mc Kean nachfolgen!„ Das weiß in der ICOC niemand.

„Jesus war mit seinen Jüngern ständig zusammen, also sollen wir auch ständig zusammen sein.„ : „Los, laß uns ständig zusammen sein. Wir finden, Du solltest mit anderen von uns in eine WG ziehen. Wer das sein soll bestimmen unsere Jüngerschaftsleiter.„

„Jesus hat seinen Jüngern vorgelebt und deswegen wollen wir auch uns an unseren Geschwistern ein Beispiel nehmen„: Wenn Du so lebst wie es Dein Jüngerschaftspartner tut, der es von seinem Jüngerschaftspartner gelernt hat und der von seinem..., dann lebst Du wie Kip Mc Kean lebt und wir folgen ja IHM nach, obwohl wir das nicht wissen.

„Wenn Dich Dein Auge verführt, ...„ Kontrolliere Deine Gedanken, ob Du sündigst und kontrolliere auch was Du denkst und kontrolliere, daß Du „das Richtige denkst„.

„Du sollst Dich nicht über Gottes Willen stellen„: Hör auf kritisch zu denken. Hör auf zu hinterfragen. Hör auf ...

„Du liebst Jesus nicht genug!„: Irgendwas ist laut Vorstellung der ICOC nicht in Ordnung. (Hast Du schon Deine Kraftzeit gehabt, hast Du heute schon Leute zum Gottesdienst, Veranstaltung eingeladen? Bist Du pünktlich zu den Veranstaltungen gekommen? Du solltest mehr Liebe für Deine Mitmenschen und Geschwister ausstrahlen, damit sie sich von der ICOC angezogen fühlen!„

„Wir wollen echte Freundschaften aufbauen bzw. bei uns gibt es echte Freundschaften untereinander.„: Wir wollen so schnell wie möglich Zweck-Freundschaften aufbauen.

„Man kann bei uns die Liebe Gottes spüren„: Lovebombing ist probates Mittel, um Menschen zu vereinnahmen.

„Hat jemand eine gute Nachricht?„ (Frage des Pastors oder andere Leiter)- „Ich will nur gute Neuigkeiten hören, damit die anderen motiviert werden noch mehr zu tun, denn nur der Erfolg zählt!

Wenn Du Dich widersetzst oder kritisch bist:"Selbstgerecht, Lieblos, Stolz, versteinertes Herz..."

Wenn du brav bist: "Gerecht, Mutig, Wahr, Stark, Einfrig, Dankbar, Demütig

11. Das Letzte

Es heißt in der IGC, Zweifel sind vom Satan. Das ist wahr! Ich habe darum keine Zweifel, daß die Internationalen Gemeinde Christi eine Sekte ist!  Ich habe gehört, ich habe eine falsche Einstellung. Wie recht sie haben! Mit meiner Einstellung käme ich in der Internationalen Gemeinde Christi nicht weit! Daß Gott, der sich in Jesus Christus geoffenbart hat, gütig ist, ist nebensächlich, entscheidend ist sein Gesetz. „Jesus ist nicht gekommen, um das Gesetz aufzuheben, sondern für uns zu sterben. He, wie reagierst Du darauf?„ Was Gesetz ist und was noch so Gesetz sein muß, entscheidet in der Regel die Leiterschaft der ICOC (Kip Mc Kean & Co) selbst.

Es ist gefährlich, den Gehorsam als Zeichen der Liebe zu sehen, obwohl das eine das andere nicht ausschließt.

Jürgen, Wien Juni 2002

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